Das Prinzip: zwei Server, ein Umschaltpunkt

Ausfälle beim Hosting-Wechsel entstehen häufig durch die falsche Reihenfolge. Typische Fehler sind eine Domain, die schon umgestellt wird, bevor die Kopie fertig ist, ein alter Vertrag, der zu früh endet, oder E-Mails, die beim alten Anbieter landen, nachdem die Postfächer dort schon gelöscht wurden.

Ein Umzug ohne Ausfallzeit folgt deshalb einem einfachen Prinzip: Für eine gewisse Zeit laufen der alte und der neue Server parallel. Erst wenn die Kopie vollständig getestet ist, zeigt die Domain auf den neuen Server. Weil beide Server in dieser Phase dieselbe Webseite ausliefern, merken deine Besucher von der Umstellung nichts, egal bei welchem Server sie gerade landen.

Ablauf eines Umzugs ohne Ausfallzeit: Beide Server laufen parallel, bis die Umstellung überall angekommen ist.

Schritt 1: Bestandsaufnahme

Bevor du etwas kopierst, verschaffst du dir einen Überblick. Das spart später die meisten Überraschungen:

  • Versionen: Notiere die WordPress- und PHP-Version. Der neue Server sollte dieselbe PHP-Version anbieten oder eine neuere, mit der Theme und Plugins nachweislich kompatibel sind.
  • Größe: Prüfe, wie groß Dateien und Datenbank sind. Alte Backups im Ordner wp-content blähen den Umzug oft unnötig auf. Ein deaktiviertes Backup-Plugin löscht seine Sicherungsdateien in der Regel nicht.
  • Domain und DNS: Kläre, bei welchem Anbieter deine Domain registriert ist, wo die DNS-Einträge verwaltet werden und ob du die Zugangsdaten dazu hast.
  • E-Mail: Liste alle Postfächer und Weiterleitungen auf, die an der Domain hängen.
  • Serverregeln: Eigene Weiterleitungen oder Sperren stehen oft in der Datei .htaccess. Webserver wie Nginx werten diese Datei nicht aus, solche Regeln müssen dort anders umgesetzt werden.
  • Externe Dienste: Zahlungsanbieter, Schnittstellen oder Mailversand-Dienste, die nur bestimmte IP-Adressen zulassen, brauchen nach dem Umzug die neue IP-Adresse.

Schritt 2: Vollständiges Backup

Erstelle vor dem Umzug eine vollständige Sicherung von Dateien und Datenbank und speichere sie außerhalb des alten Hostings, zum Beispiel lokal auf deinem Rechner. Diese Sicherung ist deine Rückfallebene, falls beim Kopieren etwas schiefgeht. Den alten Hosting-Vertrag kündigst du erst ganz am Ende.

Schritt 3: DNS-TTL rechtzeitig senken

Jeder DNS-Eintrag hat eine Lebensdauer, die TTL (Time to Live). Sie legt fest, wie lange ein Eintrag zwischengespeichert werden darf, bevor erneut nachgefragt werden muss (RFC 1035). Steht die TTL auf 86.400 Sekunden, also 24 Stunden, kann es bis zu einen Tag dauern, bis alle Besucher die neue Adresse erhalten.

Senke die TTL deshalb einige Tage vor dem Umzug auf einen niedrigen Wert, zum Beispiel 300 Sekunden. Wichtig ist der Zeitpunkt: Die Änderung muss mindestens so lange vor dem Umzug erfolgen, wie die alte TTL lang war, sonst gilt in vielen Zwischenspeichern noch der alte Wert. Nicht jeder Anbieter erlaubt das Ändern der TTL. Dann planst du einfach eine längere Phase ein, in der beide Server parallel laufen.

Schritt 4: Webseite auf den neuen Server kopieren

Eine WordPress-Webseite besteht aus zwei Teilen: den Dateien mit WordPress, Theme, Plugins und Uploads sowie der Datenbank mit allen Inhalten und Einstellungen. Beides muss auf den neuen Server.

Manuell

Du überträgst die Dateien per SFTP, exportierst die Datenbank beim alten Hoster und importierst sie beim neuen. Anschließend passt du die Zugangsdaten zur Datenbank in der Datei wp-config.php an. Bleibt die Domain gleich, musst du in der Datenbank nichts ändern.

Ändert sich dagegen die Domain, reicht ein einfaches Suchen und Ersetzen in der Datenbank nicht aus. WordPress speichert viele Einstellungen als serialisierte Daten, in denen auch die Länge jedes Textes gespeichert ist. Ändert sich beim einfachen Ersetzen die Länge der Adresse, stimmen diese Angaben nicht mehr, und die Daten werden unbrauchbar. Die WordPress-Dokumentation empfiehlt deshalb Werkzeuge, die serialisierte Daten korrekt behandeln, zum Beispiel den Befehl wp search-replace von WP-CLI.

Mit einem Migrations-Plugin

Einfacher geht es mit einem Plugin, das Dateien und Datenbank automatisch überträgt und Adressen bei Bedarf korrekt anpasst. Viele Hoster bieten zwar einen kostenlosen Umzug an, ziehen die Webseite dafür aber per Hand um oder nutzen ein verbreitetes Migrations-Plugin eines Drittanbieters. Achte darauf, dass das Plugin große Webseiten in Teilen überträgt, damit der Umzug nicht an Zeitlimits des alten Servers scheitert.

Schritt 5: Testen, bevor die Domain umzieht

Der wichtigste Schritt für einen Umzug ohne Ausfallzeit: Du prüfst die Kopie, solange die Domain noch auf den alten Server zeigt. Am einfachsten geht das über die hosts-Datei deines Rechners. Dort trägst du ein, dass deine Domain auf deinem Rechner bereits zur IP-Adresse des neuen Servers führt. Alle anderen Besucher landen weiterhin beim alten Server.

203.0.113.10  deine-domain.de
203.0.113.10  www.deine-domain.de

Die IP-Adresse im Beispiel ist ein Platzhalter, die echte erhältst du von deinem neuen Hoster. Die Datei liegt unter Windows in C:\Windows\System32\drivers\etc\hosts, unter macOS und Linux in /etc/hosts. Zum Bearbeiten brauchst du Administratorrechte. Nach dem Test entfernst du die Einträge wieder.

Prüfe dann mindestens:

  • Startseite, Unterseiten und Bilder werden vollständig angezeigt.
  • Die Anmeldung im WordPress-Backend funktioniert.
  • Kontaktformulare werden versendet.
  • Im Shop lassen sich Produkte in den Warenkorb legen und eine Testbestellung abschließen.
  • Weiterleitungen und eigene Regeln greifen wie vorher.

Viele Hoster bieten alternativ eine Vorschau-Adresse an, unter der du die Kopie ohne Änderung der hosts-Datei aufrufen kannst.

Schritt 6: Inhalte einfrieren

Zwischen Kopie und Umstellung entstehen auf dem alten Server weiter neue Daten: Kommentare, Formulareinträge und vor allem Bestellungen. Was nach der Kopie hinzukommt, fehlt auf dem neuen Server. Vereinbare deshalb für die letzten Stunden vor der Umstellung einen Änderungsstopp, in dem niemand Inhalte bearbeitet.

Bei Shops mit laufenden Bestellungen ist ein kurzes Zeitfenster ohne neue Bestellungen oft die sauberste Lösung. Die Webseite bleibt erreichbar, nur der Bestellvorgang pausiert, während die letzte Kopie der Datenbank übertragen wird. Lege dieses Fenster in eine Zeit mit wenig Betrieb und lass den Bestellstopp auf dem alten Server aktiv, bis die alte TTL abgelaufen und die Umstellung überall angekommen ist. Sonst landen einzelne Bestellungen noch beim alten Server.

Schritt 7: DNS umstellen

Jetzt zeigst du die Domain auf den neuen Server. Dafür gibt es zwei Wege:

  • Einträge ändern: Du behältst deinen bisherigen DNS-Anbieter und änderst nur die A-Einträge, bei IPv6 zusätzlich die AAAA-Einträge, auf die neue IP-Adresse. Dieser Weg profitiert direkt von der gesenkten TTL.
  • Nameserver wechseln: Du übergibst die gesamte DNS-Verwaltung an den neuen Anbieter. Das dauert oft länger, weil die Nameserver-Einträge in der übergeordneten Zone, etwa bei .de, eine eigene TTL haben, die du nicht senken kannst. Übertrage vorher alle bestehenden Einträge, sonst funktionieren E-Mail oder Subdomains nicht mehr.

Vergiss die AAAA-Einträge nicht. Zeigt nur der A-Eintrag auf den neuen Server, landen Besucher mit IPv6 weiterhin beim alten. Hat der neue Server keine IPv6-Adresse, entfernst du die alten AAAA-Einträge. Solange sich die Änderung verbreitet, liefern beide Server dieselbe Seite aus. Genau deshalb entsteht keine Ausfallzeit.

Schritt 8: SSL-Zertifikat prüfen

Auf dem neuen Server braucht deine Domain ein gültiges SSL-Zertifikat. Viele Hoster nutzen dafür Let's Encrypt. Bei der üblichen Prüfung über HTTP (HTTP-01) muss die Domain bereits auf den neuen Server zeigen und über Port 80 erreichbar sein. Das Zertifikat wird deshalb häufig erst direkt nach der DNS-Umstellung ausgestellt. Bis dahin können Besucher, die schon beim neuen Server landen, kurz eine Zertifikatswarnung sehen. Das vermeidest du, indem du das Zertifikat vorab über einen DNS-Eintrag (DNS-01) ausstellen lässt. Frag deinen neuen Hoster, welchen Weg er nutzt, und prüfe nach der Umstellung, ob die Webseite ohne Warnung über HTTPS erreichbar ist.

Schritt 9: E-Mail ohne Verluste umziehen

Bei E-Mails gilt dieselbe Reihenfolge wie bei der Webseite: erst vorbereiten, dann umschalten.

  1. Lege alle Postfächer und Weiterleitungen beim neuen Anbieter an.
  2. Kopiere die vorhandenen E-Mails per IMAP vom alten auf den neuen Server. Viele Hoster haben dafür ein eigenes Werkzeug.
  3. Stelle die MX-Einträge der Domain auf den neuen Mailserver um.
  4. Lass das alte Postfach noch einige Tage bestehen und kopiere danach erneut. So erwischst du E-Mails, die während der Umstellung noch beim alten Server angekommen sind.
  5. Trage die neuen Serverdaten in deinen E-Mail-Programmen ein.

Passe außerdem die Einträge an, die deine E-Mails gegen Fälschung absichern. Der SPF-Eintrag legt fest, welche Server im Namen deiner Domain senden dürfen (RFC 7208). Mit DKIM werden ausgehende E-Mails signiert (RFC 6376). DMARC teilt Empfängern mit, wie sie mit E-Mails umgehen sollen, die diese Prüfungen nicht bestehen (RFC 9989). Fehlt der neue Server im SPF-Eintrag oder signiert er nicht mit einem im DNS hinterlegten DKIM-Schlüssel, landen deine E-Mails schnell im Spam.

Schritt 10: Nacharbeiten und Kündigung

  • Prüfe die Webseite noch einmal vollständig über die echte Domain, auch auf dem Smartphone.
  • Kontrolliere, ob geplante Aufgaben wie Newsletter, Backups oder Shop-Synchronisierungen auf dem neuen Server laufen, und deaktiviere sie auf dem alten. Sonst gehen zum Beispiel Newsletter doppelt hinaus.
  • Schalte Caching wieder ein, falls du es für den Umzug deaktiviert hattest, und miss die Ladezeiten.
  • Setze die TTL wieder auf einen üblichen Wert, zum Beispiel 3.600 Sekunden.
  • Kündige das alte Hosting erst, wenn die Umstellung überall angekommen ist und das alte Postfach leer bleibt. Achte dabei auf Kündigungsfristen und Restlaufzeiten. Liegt deine Domain beim alten Hoster, überträgst du sie vorher oder kündigst ausdrücklich nur das Hosting.

Umzug zu wpinabox

Bei uns ist der Umzug kostenlos. Dafür haben wir ein eigenes Migrator-Plugin entwickelt, das genau auf unsere Server abgestimmt ist. Du startest den Umzug damit selbst mit wenigen Klicks:

  1. Bestelle den passenden Tarif.
  2. Lade das Migrator-Plugin in unserem Kundenbereich herunter.
  3. Installiere es auf der Webseite, die umziehen soll, und gib den SiteKey aus dem Kundenbereich ein.
  4. Klicke auf „Migration starten“.

Den Rest übernehmen wir. Wir schließen die Migration auf unseren Servern ab, und du erhältst eine E-Mail, sobald alles fertig ist. Anschließend stellst du die Domain wie in Schritt 7 beschrieben auf unsere Server um, unser Support hilft dir dabei. Auch ein Wechsel der Domain ist dabei automatisch möglich. Damit alles reibungslos klappt, sollte deine Webseite mit PHP 8.2 oder höher laufen, der ältesten Version, die wir aktuell anbieten, beim alten Hoster sollte etwa doppelt so viel Speicherplatz frei sein, wie die Webseite belegt, und während der Migration darf kein Passwortschutz aktiv sein.

Deine E-Mail-Postfächer überträgst du mit der E-Mail-Migration im Kundenbereich. Nach dem Umzug schauen wir uns deine Webseite im Rahmen der kostenlosen Erstoptimierung an und geben dir Tipps zu Plugins, Performance und Sicherheit. Und wenn dein alter Vertrag noch läuft, erlassen wir dir mit dem Wechselbonus bis zu 50 % deiner ersten Rechnung.

Häufige Fragen

Ist meine Webseite während des Umzugs offline?

Nein, wenn du in der richtigen Reihenfolge vorgehst. Alter und neuer Server laufen parallel, und die Domain wird erst nach dem Test umgestellt. Solange sich die Änderung verbreitet, liefern beide Server dieselbe Webseite aus.

Wie lange dauert ein WordPress-Umzug?

Das Kopieren hängt vor allem von der Größe der Webseite ab. Die DNS-Umstellung ist spätestens nach Ablauf der alten TTL überall angekommen. Hast du die TTL vorher auf 300 Sekunden gesenkt, geht das entsprechend schnell.

Gehen beim Umzug E-Mails verloren?

Nicht, wenn du die Postfächer vor der Umstellung der MX-Einträge kopierst und das alte Postfach danach noch einige Tage bestehen lässt. E-Mails, die in dieser Zeit noch beim alten Server ankommen, kopierst du anschließend nach.

Muss ich meine Domain zum neuen Hoster umziehen?

Nein. Es reicht, die DNS-Einträge der Domain auf den neuen Server zu ändern. Die Domain kann bei ihrem bisherigen Anbieter bleiben, solange du das Hosting dort nicht zusammen mit der Domain kündigst.

Geschrieben von

Tobias Fronk

Gründer und Geschäftsführer von wpinabox

Tobias arbeitet seit vielen Jahren mit WordPress und hat sich auf Hosting, Server-Performance und Sicherheit spezialisiert. Seit 2012 betreibt er mit seinem Team WordPress-Hosting auf eigenen Servern und entwickelt die Plattform hinter wpinabox kontinuierlich weiter. Außerdem hat er mit der Rechnungssoftware Invoboard und dem Monitoring-Tool ServerMon zwei umfangreiche Projekte auf Basis von WordPress entwickelt.

Quellen

  1. WordPress Advanced Administration Handbook: Migrating WordPress
  2. WP-CLI: wp search-replace
  3. RFC 1035: Domain Names, Implementation and Specification
  4. Let's Encrypt: Challenge Types
  5. RFC 7208: Sender Policy Framework (SPF)
  6. RFC 6376: DomainKeys Identified Mail (DKIM)
  7. RFC 9989: Domain-Based Message Authentication, Reporting, and Conformance (DMARC)
  8. RFC 5737: IPv4-Adressbereiche für Dokumentationszwecke
  9. wpinabox Helpcenter: Was ist das Migrator-Plugin?